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Auf den Pfaden der Denkmalpflege - Ein Rundgang auf der grossen Baustelle im Städtli

Der Umbau des Landenberghauses sowie des ehemaligen Pfarrhauses stellt bau- und lokalhistorisch ein Glücksfall dar, da viele neue Erkenntnisse über die Ortsgeschichte gewonnen werden können. Die kantonale Denkmalpflege der Baudirektion des Kantons Zürich erstellt derzeit einen Bericht. Die neusten Erkenntnisse haben zwei Mitarbeitende am 16. April in einer exklusiven Führung zugänglich gemacht.

Am frühen Dienstagabend versammelten sich die etwa 25 eingeladenen Personen aus der unmittelbaren Nachbarschaft, der Kommission Ortsgeschichte, dem Gemeinderat und der Baukommission vor der Baustelle des Landenberghauses. Alle waren sie gespannt auf den «Werkstattbericht» von Andreas Gallmann (wissenschaftlicher Mitarbeiter) und Emmanuelle Urban (Bauberaterin) von der kantonalen Denkmalpflege. Auf dem folgenden Rundgang erklärte Gallmann jeweils bauhistorische Befunde und die Rückschlüsse, die man aus ihnen ziehen kann, und Urban berichtete von den Prozessen und Diskussionen der Denkmalpflege während des Umbaus.

Das Landenberghaus als Palas
Die Giebelwand zum Schloss hin ist, so hat man beim Umbau entdeckt, direkt mit der seeseitigen Hauswand bzw. der Stadtmauer verbunden. Das bedeutet, dass das Landenberghaus zur selben Zeit wie die Stadtmauer in der Mitte des 13. Jahrhunderts entstanden sein muss. Dies kann man unter anderem an den romanischen Fenstern, sowie an der Art und Weise, wie gemauert wurde (sog. Ährenverband) ablesen.

Das Landenberghaus schien damals ein repräsentativer Bau gewesen zu sein, der aus einem Erd- und einem Obergeschoss bestand, erklärte Andreas Gallmann. Während das dunkle EG wohl ein Keller- oder Lagerraum war, diente der grosse Raum im Obergeschoss wahrscheinlich als «Palas» (repräsentativer Saalbau) des Schlosses, der zeitweilen auch Wohnsitz der Landenberger gewesen ist.

Auch der Putz ist schützenswert
Heute sieht man auf der Höhe der Galerie im zweiten OG noch gut, wie das Bollensteinmauerwerk 2019 neu aufgebaut wurde und wie sich die Kante von der historischen Mauer, aber auch vom Umbau zum Gemeindezentrum aus dem Jahre 1970, abhebt. Die historische Sichtbarmachung sei ja auch das Besondere am architektonischen Konzept, führte Emmanuelle Urban aus. Natürlich gebe es auch Diskussionen darum, was man belassen sollte und was nicht – wie geht man beispielsweise mit dem historischen Putz um? Für die Denkmalpflege sei nämlich auch der Verputz eine schützenswerte Substanz. So wurden im Obergeschoss zusammen mit den Architekten alle mittelalterlichen Putzflächen definiert und werden derzeit gesichert, damit sie nicht weiter herunterbröckeln.

Auf dem Weg ins ehemalige Pfarrhaus forderte Urban die Besuchenden auch auf, einmal über die Giebelwand zu streichen, um die Kompaktheit und Wellenbewegungen, die für mittelalterlichen Putz charakteristisch ist, zu spüren. Geschichte zum Anfassen!

Veränderte Gebäudefunktionen nach dem Alten Zürichkrieg
Eine der grossen Zäsuren in der Geschichte Greifensees stellt bekanntlich der sogenannte Alte Zürichkrieg von 1444 dar. Dieser legte das Städtli «in Schutt und Asche» (so Gallmann), und der Wiederaufbau ging erst nur schleppend voran. Während das Landenberghaus nach dieser zweiten Bauphase als Schlossscheune diente, fiel seinem Nachbarhaus, dem ehemaligen Pfarrhaus, die repräsentative Funktion zu. Vor der Zerstörung im 15. Jahrhundert war dieses ein ebenfalls zweigeschossiges, eher einfaches Wohnhaus. Es war schmäler als heute mit einem hochgeschossigen Eingang, jedoch seien die Befunde nicht ganz eindeutig. Die jetzige These der Denkmalpflege sei, führte Gallmann aus, dass das Pfarrhaus wohl eine Holzlaube gehabt habe.

Das Pfarrhaus wird mehrfach an- und umgebaut
Ungefähr im Jahre 1548, mit der Loslösung von Uster, wurde das Pfarrhaus dann zum «richtigen Pfarrhaus», denn ein Pfarrer zog nun fest nach Greifensee und brauchte eine repräsentative Bleibe, da er für die Durchsetzung der Sittenmandate verantwortlich war und somit zumindest obrigkeitliche Befugnisse innegehabt hatte.

In der dritten Bauphase um 1681 kamen die vielen neuen Zimmer hinzu, ebenso die barocke Grisaille-Malerei an den Deckenbalken im ersten OG. In der vierten Phase (1810) wurden eine Treppenerneuerung sowie Täfer, Stuckdecken und Fenstervergrösserungen eingebaut. Im letzten grösseren Eingriff um 1882 entstand dann der «Abortturm», heute noch gut sichtbar auf der Seite zum Poschtilädeli hin.

Herausforderungen für die Denkmalpflege
Diese ganzen baulichen Massnahmen sind nicht ganz unproblematisch für die Denkmalpflege, wie Urban anschaulich darlegte: Zum Beispiel wurde im 19. Jahrhundert in einem Raum im ersten OG die ganze Wand aus dem 17. Jahrhundert abgebrochen, um Schrankwände einzubauen. Wenn man nun in diesem Raum das Flair vom 17. Jahrhundert behalten und diese Schrankwand entfernen würde, gäbe es keine Wand und keine Bausubstanz mehr. Man sei nun zusammen mit den Architekten daran, eine Lösung zu finden, um die Ausstattung aus dem 17. und dem 19. Jahrhundert zu erhalten. Auch die fachgerechte Restaurierung der Grisaille-Malerei sei der Denkmalpflege ein grosses Anliegen, an dem sie sich auch finanziell beteilige.

Die nächsten Führungen am 15. September
Die einstündige Führung verging wie im Flug, und eifrige Diskussionen ergaben sich zwischen den lokalen und kantonalen Expertinnen und Experten. Freuen mag man sich auf eine Fortsetzung im September: Die kantonale Denkmalpflege hat das Gebäudeensemble als Vorzeigeobjekt für den europäischen Tag des Denkmals, dem 15. September, ausgewählt. Dann wird die breite Öffentlichkeit in den Genuss von Führungen durch die Räumlichkeiten des Landenberghauses und des ehemaligen Pfarrhauses kommen. Speziell werden Aktivitäten für Familien eingeplant – auf spannende Entdeckungen darf man sich freuen!



Datum der Neuigkeit 7. Mai 2019

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